Seiten

Posts mit dem Label 1613 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 1613 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Thomas Lansius, ein beliebter Leichenprediger

Thomas Lansius, Professor für Geschichte, Politik und Beredsamkeit, war bekannt und beliebt wegen seiner Leichenpredigten. Einige seiner Leichenpredigten für namhafte Persönlichkeiten der damaligen Zeit wurden auch als Trauerschriften gedruckt und in Umlauf gebracht.

Zweifellos die bedeutendsten Leichenpredigten hielt Thomas Lansius beim Tod von Friedrich I. Graf von Mömpelgard und Herzog von Württemberg 1608 (gedruckt 1608 und 1616 in Tübingen) und von dessen Ehefrau Sibylle Herzogin von Württemberg, Fürstin von Anhalt, 1614 (gedruckt 1615 und 1616 in Tübingen).

Friedrich I. (Württemberg) bei Wikipedia

Sibylla von Anhalt, Äbtissin von Gernrode und Frose, Gräfin von Mömpelgard und Herzogin von Württemberg bei Wikipedia

Einige Prinzen des Hochadels verstarben während ihres Aufenthalts im Collegium Illustre. Auch für sie wurden entsprechende Begräbnisfeierlichkeiten ausgerichtet und Leichenreden gehalten. Thomas Lansius verfasste und hielt die Leichenpredigten für

Johann Georg, Herzog von Schleswig-Holstein-Sonderburg, Prinz von Norwegen (gedruckt 1613 und 1616 in Tübingen)

Familie von Johann (Schleswig-Holstein-Sonderburg) bei Wikipedia

Rudolf, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Bischof von Halberstadt, 1616 (gedruckt in Tübingen 1616 und in Wolfenbüttel 1617)

Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel bei Wikipedia

Anton Heinrich, Graf von Oldenburg und Delmenhorst, 1622 (gedruckt in Tübingen 1623).

Familie von Anton II. (Oldenburg-Delmenhorst) bei Wikipedia

Anlässlich der Leichenrede wurde Thomas Lansius mit Zutun von Herzog August so reich beschenkt, dass es ihm die Röte vor Scham ins Gesicht trieb.

Als Dank schenkte Thomas Lansius Herzog August ein seltenes Buch. Dieses Buch, es handelt sich um die erste Platonübersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische, stammte aus der Bibliothek des Corvinus und gehört heute zum Unesco-Welterbe.

Thomas Lansius veröffentlichte auch eine Leichenrede für zwei seiner Lehrer 
und für seine 1621 verstorbene Ehefrau:

Susanna Lansius, 1621 (Thomae Lansii Lacrymae, gedruckt in Tübingen 1622)


Matthias Hafenreffer, lutherischer Theologe, Professor für Theologie und sechsmaliger Rektor sowie Kanzler der Universität Tübingen, 1619 (gedruckt in Tübingen 1619 und 1620 und in Frankfurt am Main 1674)

Matthias Hafenreffer bei Wikipedia
Johannes Christoph Harpprecht, Rechtswissenschafter und Professor an der Universität Tübingen, 1639 (gedruckt in Tübingen 1640 und in Frankfurt am Main 1676)

Johannes Christoph Harpprecht bei Wikipedia






Consultatio de principatu inter provincias Europae

Die Consultatio de principatu inter provincias Europae gilt als das meistzitierte Werk, das Thomas Lansius herausgegeben hat. Die Zusammenstellung der Reden pro und kontra die europäischen Nationen wurde insgesamt sechsmal neu aufgelegt und wurde von James Howell 1653 auch in die englische Sprache übertragen.

Nachstehend finden sich Links, mit denen die einzelnen Ausgaben heruntergeladen werden können:

Die Erstausgabe erschien 1613 im Verlag Johann Alexander Cellius in Tübingen:


Hier unter Beachtung der Rechte herunterladen

Die zweite Auflage wurde 1620 mit demselben Titelbild wie die Erstausgabe bei Eberhard Wild in Tübingen herausgeben:

Hier unter Beachtung der Rechte herunterladen


Die dritte Auflage wurde 1626 mit einem leicht abgeänderten Titelbild beim Verlag Philibert Brunn in Tübingen gedruckt.

Hier unter Beachtung der Rechte herunterladen

Die vierte Auflage entstand 1635 ebenfalls beim Verlag Philibert Brunn in Tübingen, wobei das Titelbild gegenüber der dritten Auflage mit Ausnahme des Erscheinungsjahres nicht verändert wurde.

Hier unter Beachtung der Rechte herunterladen

1636 wurde bei Johann Jansson in Amsterdam eine überarbeitete Neuauflage herausgegeben. Auf ein prächtiges Titelbild wurde verzichtet, allerdings war der Text des Covers zweifärbig gehalten. Prächtige Bibliothekseinbände aus Kalbsleder zeigen, dass zahlreiche herrschaftliche Wohnsitze mit diesem Werk ausgestattet waren, beispielsweise jener der Familie Hautefeuille:




Hier unter Beachtung der Rechte herunterladen


Im Folgejahr 1637 wurde in Amsterdam ein Nachdruck der überarbeiteten Neuauflage aus dem Jahr 1636 hergestellt, bei dem beim sonst unveränderten Cover auf den Zweifarbendruck wieder verzichtet wurde.

Hier unter Beachtung der Rechte herunterladen

In Tübingen erfolgte die Herausgabe der überarbeiteten Neuauflage im Jahr 1655 im Verlag Philip Brunn in Tübingen. Es kam das bewährte Titelbild aus dem Jahr 1626 mit geändertem Erscheinungsdatum zum Einsatz:

Hier unter Beachtung der Rechte herunterladen

Die letzte Auflage der Consultatio erschien 1678 im Verlag Johann Georg Cellius in Tübingen. Das bereits bekannte Titelbild der Ausgaben von 1626 und 1655 wurde neuerlich mit verändertem Erscheinungsdatum verwendet:

Hier unter Beachtung der Rechte herunterladen

Consultatio von Thomas Lansius stand auf der Liste der verbotenen Bücher

Aus einem 1831 im Verlag Franz Christian Löflund und Sohn in Stuttgart herausgegebenen Buch von Johann Ludwig Christian Breitschwert (Freiherr von) mit dem Titel

Johann Keppler´s Leben und Wirken, nach neuerlich aufgefundenen Manuscripten bearbeitet

erfahren wir im Kapitel über den Aufenthalt Keplers in Linz auf S 94f über einen Briefverkehr zwischen Johannes Kepler und Thomas Lansius über die Consultationes. Der Brief ist mit 5. Oktober 1614 datiert (Nr. 698 der Werksammlung, das Original befindet sich bei der Österreichischen Nationabibliothek)

Originaltext S 94f

1613 erschien in Württemberg im Verlag Cellius das Buch

Friderici Achillia Wirtembergici 
Consultatio de principateu inter  provincias Europae. 

Prinz Achilles nannte sich zwar als Autor, ihr eigentlicher Verfasser war aber Thomas Lansius. Fünf Prinzen und 17 Edelleute stritten in lateinischer Sprache darüber, welcher Europäischen Nation der Vorzug vor den übrigen gebühre.

Es war die Absicht, das Werk dem Kaiser Matthias zuzueignen, darum wünschte Lansius das Urteil Keplers und übersandte ihm das Buch nach Linz mit folgendem Begleitbrief:

"Bei Hafenreffer wird oft von Ihnen gesprochen, von Ihren Tugenden, Ihrer Gelehrsamkeit und Ihrem scharfen Verstand ohne Beispiel. Ich überschicke hier ein Buch, das mit einiger Hülfe von meiner Seite herauskam. Ich bitte Sie um Ihr aufrichtiges Urtheil. Es wird mir über das Urtheil aller Andern gehen."

Keplers Antwort ist zwar nicht vorhanden, sein Urteil ist aber aus einen zweiten Brief des Lansius anzunehmen (Nr. 707 der Werksammlung, datiert mit 6. Jänner 1615, das Original befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek)

"Ich danke Ihnen für das ehrende und freie Urtheil, das Sie über die Consultationes gefällt haben. Ich weiß zwar nicht vor welchen verborgenen Minen Sie mich warnen, noch verstehe ich, mit welchem Ungewitter, mit welchen Hornissen Sie mir drohen. Nun, was ist daran gelegen, Lansius hat ein dreifaches Erz vor seiner Brust. 
Doch ohne Scherz: Unsere Hoftheologen haben einen Krieg gegen mich erhoben. Sie konnten meine Freiheit nicht verdauen, da ihr schwacher Magen öfters die besten Speisen nicht ertragen kann. 
Ich habe von den vornehmsten Männern das Lob erhalten: Lansius sagt Allen die Wahrheit, verschont Niemand. Man fällt von Keplers Religion verschiedene Urtheile, dennoch ist die Zahl seiner Freunde groß, besonders ist Vicekanzler, Sebastian Faber, Pallas des würtembergischen Jupiters, Ihnen ungemein gewogen."

Keplers Prophezeihung traf also ein und zwar nicht allein in Württemberg, sondern auch in Italien.


Dann sehen wir diese Consultationes in dem Verzeichnis verbotener Bücher. Das päpstliche Dekret ist mit 5. März 1616 datiert.


Text des päpstlichen Dekrets, mit dem die Consulationes des Thomas Lansius auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt wurde:


Johannes Kepler bei Wikipedia

Friedrich Achilles (Württemberg-Neuenstadt) bei Wikipedia

Kaiser Matthias bei Wikipedia

Index Librorum Prohibitorum (Liste verbotener Bücher) bei Wikipedia

Eigener Artikel zur Consultatio principatu

Die Briefe im Originaltext und in einer deutschprachigen Zusammenfassung sind in u.a. in einer von Max Caspar herausgegebenen Werksammlung enthalten und können unter Beachtung der Rechte hier heruntergeladen werden

Weitere briefliche Kontakte des Thomas Lansius zu Johannes Kepler sind evident.

Des weiteren hat Thomas Lansius in Tübingen gemeinsam mit anderen Juristen (insbesondere Christoph Besold) Johannes Kepler beim Hexenprozess gegen dessen Mutter unterstützt.