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Consultatio principatu - aus englischer Sicht

Hier zur Textstelle im Buch (Rechte beachten)
Das Buch behandelt zwei Reiseberichte von deutschsprachigen Reisenden, die Ende des 16./Anfang des 17. Jahrhunderts England bereisten.

U.a. wird aus den Reden pro und contra Britannien zitiert, die unter dem Vorsitz von Friedrich Achilles von Württemberg am Collegium Illuste gehalten wurden.

Thomas Lansius hat diese Reden editiert und in der Consultatio principatu erstmals 1613 veröffentlicht.

Der Kommentar ist bemerkenswert:

Thomas Lansius edited these speches, which must have been very popular, as no less than seven editions of the work were published during the 17th century. The 2nd edition in the Britisch Museum belongs to the Library of King James I, and we can well imagine with what gusto the royal pedant would peruse the arguments and remarks on both sides on the subject of dear old Britannia.



Consultatio de principatu inter provincias Europae

Die Consultatio de principatu inter provincias Europae gilt als das meistzitierte Werk, das Thomas Lansius herausgegeben hat. Die Zusammenstellung der Reden pro und kontra die europäischen Nationen wurde insgesamt sechsmal neu aufgelegt und wurde von James Howell 1653 auch in die englische Sprache übertragen.

Nachstehend finden sich Links, mit denen die einzelnen Ausgaben heruntergeladen werden können:

Die Erstausgabe erschien 1613 im Verlag Johann Alexander Cellius in Tübingen:


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Die zweite Auflage wurde 1620 mit demselben Titelbild wie die Erstausgabe bei Eberhard Wild in Tübingen herausgeben:

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Die dritte Auflage wurde 1626 mit einem leicht abgeänderten Titelbild beim Verlag Philibert Brunn in Tübingen gedruckt.

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Die vierte Auflage entstand 1635 ebenfalls beim Verlag Philibert Brunn in Tübingen, wobei das Titelbild gegenüber der dritten Auflage mit Ausnahme des Erscheinungsjahres nicht verändert wurde.

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1636 wurde bei Johann Jansson in Amsterdam eine überarbeitete Neuauflage herausgegeben. Auf ein prächtiges Titelbild wurde verzichtet, allerdings war der Text des Covers zweifärbig gehalten. Prächtige Bibliothekseinbände aus Kalbsleder zeigen, dass zahlreiche herrschaftliche Wohnsitze mit diesem Werk ausgestattet waren, beispielsweise jener der Familie Hautefeuille:




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Im Folgejahr 1637 wurde in Amsterdam ein Nachdruck der überarbeiteten Neuauflage aus dem Jahr 1636 hergestellt, bei dem beim sonst unveränderten Cover auf den Zweifarbendruck wieder verzichtet wurde.

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In Tübingen erfolgte die Herausgabe der überarbeiteten Neuauflage im Jahr 1655 im Verlag Philip Brunn in Tübingen. Es kam das bewährte Titelbild aus dem Jahr 1626 mit geändertem Erscheinungsdatum zum Einsatz:

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Die letzte Auflage der Consultatio erschien 1678 im Verlag Johann Georg Cellius in Tübingen. Das bereits bekannte Titelbild der Ausgaben von 1626 und 1655 wurde neuerlich mit verändertem Erscheinungsdatum verwendet:

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Consultatio von Thomas Lansius stand auf der Liste der verbotenen Bücher

Aus einem 1831 im Verlag Franz Christian Löflund und Sohn in Stuttgart herausgegebenen Buch von Johann Ludwig Christian Breitschwert (Freiherr von) mit dem Titel

Johann Keppler´s Leben und Wirken, nach neuerlich aufgefundenen Manuscripten bearbeitet

erfahren wir im Kapitel über den Aufenthalt Keplers in Linz auf S 94f über einen Briefverkehr zwischen Johannes Kepler und Thomas Lansius über die Consultationes. Der Brief ist mit 5. Oktober 1614 datiert (Nr. 698 der Werksammlung, das Original befindet sich bei der Österreichischen Nationabibliothek)

Originaltext S 94f

1613 erschien in Württemberg im Verlag Cellius das Buch

Friderici Achillia Wirtembergici 
Consultatio de principateu inter  provincias Europae. 

Prinz Achilles nannte sich zwar als Autor, ihr eigentlicher Verfasser war aber Thomas Lansius. Fünf Prinzen und 17 Edelleute stritten in lateinischer Sprache darüber, welcher Europäischen Nation der Vorzug vor den übrigen gebühre.

Es war die Absicht, das Werk dem Kaiser Matthias zuzueignen, darum wünschte Lansius das Urteil Keplers und übersandte ihm das Buch nach Linz mit folgendem Begleitbrief:

"Bei Hafenreffer wird oft von Ihnen gesprochen, von Ihren Tugenden, Ihrer Gelehrsamkeit und Ihrem scharfen Verstand ohne Beispiel. Ich überschicke hier ein Buch, das mit einiger Hülfe von meiner Seite herauskam. Ich bitte Sie um Ihr aufrichtiges Urtheil. Es wird mir über das Urtheil aller Andern gehen."

Keplers Antwort ist zwar nicht vorhanden, sein Urteil ist aber aus einen zweiten Brief des Lansius anzunehmen (Nr. 707 der Werksammlung, datiert mit 6. Jänner 1615, das Original befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek)

"Ich danke Ihnen für das ehrende und freie Urtheil, das Sie über die Consultationes gefällt haben. Ich weiß zwar nicht vor welchen verborgenen Minen Sie mich warnen, noch verstehe ich, mit welchem Ungewitter, mit welchen Hornissen Sie mir drohen. Nun, was ist daran gelegen, Lansius hat ein dreifaches Erz vor seiner Brust. 
Doch ohne Scherz: Unsere Hoftheologen haben einen Krieg gegen mich erhoben. Sie konnten meine Freiheit nicht verdauen, da ihr schwacher Magen öfters die besten Speisen nicht ertragen kann. 
Ich habe von den vornehmsten Männern das Lob erhalten: Lansius sagt Allen die Wahrheit, verschont Niemand. Man fällt von Keplers Religion verschiedene Urtheile, dennoch ist die Zahl seiner Freunde groß, besonders ist Vicekanzler, Sebastian Faber, Pallas des würtembergischen Jupiters, Ihnen ungemein gewogen."

Keplers Prophezeihung traf also ein und zwar nicht allein in Württemberg, sondern auch in Italien.


Dann sehen wir diese Consultationes in dem Verzeichnis verbotener Bücher. Das päpstliche Dekret ist mit 5. März 1616 datiert.


Text des päpstlichen Dekrets, mit dem die Consulationes des Thomas Lansius auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt wurde:


Johannes Kepler bei Wikipedia

Friedrich Achilles (Württemberg-Neuenstadt) bei Wikipedia

Kaiser Matthias bei Wikipedia

Index Librorum Prohibitorum (Liste verbotener Bücher) bei Wikipedia

Eigener Artikel zur Consultatio principatu

Die Briefe im Originaltext und in einer deutschprachigen Zusammenfassung sind in u.a. in einer von Max Caspar herausgegebenen Werksammlung enthalten und können unter Beachtung der Rechte hier heruntergeladen werden

Weitere briefliche Kontakte des Thomas Lansius zu Johannes Kepler sind evident.

Des weiteren hat Thomas Lansius in Tübingen gemeinsam mit anderen Juristen (insbesondere Christoph Besold) Johannes Kepler beim Hexenprozess gegen dessen Mutter unterstützt.

Thomas Lansius, Pionier der modernen Rhetorik: Mantissa - Consultationum et Orationum


Thomas Lansius gab 1653 im Verlag Philibert Brunn in Tübingen die Mantissa, Consulationum et Orationum heraus.

1678 wurde das Werk im Verlag Georg Cotta, Tübingen, neu aufgelegt.

Es gehörte zur Standardausstattung des Rhetorikunterrichts in den Adelsschulen Deutschlands.

Nachstehend einige Beispiele für die Erwähnung von Thomas Lansius  in Fachbüchern des 20. und 21. Jahrhunderts als bedeutenden Vertreter der Rhetorikausbildung im 17. Jahrhundert.





1970 (bzw. in einer Neuauflage 2002) untersuchte Wilfried Barner in einem Fachbuch mit dem Titel Barockrhetorik deren geschichtliche Grundlagen. Er beschreibt im Abschnitt 4 die Rhetorik in der Adelserziehung, u.a. in den Ritterakademien, insbesondere auch den Rhetorikunterricht des Thomas Lansius.

Wilfried Barner: Barockrhetorik, Untersuchungen zu ihren geschichtlichen Grundlagen, S 377ff, Tübingen, 1970 und 2002

Barockrhetorik, S 377ff


1997 wurde Thomas Lansius in einem  Fachbuch als bedeutendster Vertreter eines modernen Rhetorikunterrichts im 17. Jahrhundert bezeichnet:

"Als frühes Experiment einer Ritterakademie mit der charakteristischen Verbindung von feudaler Tradition und humanistisch-gelehrtem Habitus läßt das Tübinger Collegium bereits die Tendenz zu einem moderneren, an der politschen Gegenwart orienterten Rhetorikunterricht erkennen. Bedeutendster Vertreter dieser Richtung ist der Jurist Thomas Lansius (1577 bis 1657), der vier Jahrzehnte lang am Collegium Geschichte, Politik und Eloquenz unterrichtete (schon die Kombination mit Politik ist bemerkenswert. Selbst ein weit über Tübingen hinaus bekannter Redner, hat er in seiner Mantissa consultationem et orationum (1656) eine Reihe exemplarischer Übungstexte zusammengestellt, die den Zögling auf möglichst realistische Weise mit typischen Situationen der politischen Praxis konfrontieren, etwa mit einer Kabinettssitzung. Die Mantissa wurde bald auch an anderen Adelsschulen als Lehrbuch eingeführt und hat nach außen hin das Bild der Tübinger Rhetorik im 17. Jahrhundert entscheidend mitgeprägt."

Vivat Caldenbachius! Crusii in Graecis,
Junij et Lansii in Oratoriis, Lotichij
in Poeticâ, Tubingae mensuram adimpleat,
quando Regiomonti non licuit!

Zitiert aus dem Artikel Tübinger Poesie und Eloquenz im 17. Jahrhundert: Christoph Kaldenbach, S 69ff, in: Wilfried Barner: Pioniere, Schulen, Pluralismus: Studien zu Geschichte und Theorie der Literaturwissenschaften, Walter de Gruyter, Tübingen, 1997,  ISBN 3-484-10754-5

Thomas Lansius, Tübinger Poesie und Eloquenz im 17. Jahrhundert, S 79

1998 wird das rhetorische Programm des Collegium Illustre unter dem 1606 neu berufenen Thomas Lansius beispielhaft beschrieben:

Im September 1607 veranstaltete der Rhetorikprofessor und Jurist Lansius am Tübinger Collegium Illustre einen rhetorischen Wettstreit unter seinen Eleven, dessen Thema die Konkurrenz zwischen Gelehrten und Soldaten, zwischen gebildeten Bürgerlichen und dem Adel war. Die von Lansius für diese Kontroverse entworfenen Reden wurden später als Muster für ähnliche rhetorische Übungen veröffentlicht.

p 38ss: Consultatio de praerogativae ceramine, quod est inter milites et literatos, habita Tubingae in: III. Collegio VII Sept. an Chr. MDCVII.

Ronald G. Asch geht in seiner Abhandlung mit dem Titel Bürgertum, Universität und Adel, Eine württembergische Kontroverse des Späthumanismus ausführlich auf diese rhetorische Auseinandersetzung ein.

Die Abhandlung ist Teil des von Klaus Garber unter Mitwirkung von Stefan Anders und Thomas Elsmann bei Walter de Gruyter 1998 herausgegebenen Fachbuches mit dem Titel Stadt und Literatur im deutschen Sprachraum der Frühen Neuzeit, Tübingen, 1998, S 384ff

Bürgertum, Universität und Adel, S 384ff


2008 wird die Mantissa consultationem et orationum neuerlich erwähnt:

"Neben der im tradionellen Gelehrtenschulsystem vernachlässigten Realienbildung widmen sich die ständischen Akademien einer thetorisch-dialektischen Schulung, als deren zentrale Übungsform die u.a. in der Mantissa consultationum et orationum (1656) des Tübinger Collegiums-Professors Thomas Lansius kompilierten Consultationes gelten. Mittels des hier trainierten Argumentationsverfahrens (Problemexposition - Erörterung durch die Schüler - Entscheidung) suchte die rhetorische Ausbildung der zukünftigen politischen Elite sich der Praxis in den fürstlichen Beratungsgremien anzupassen (vgl. Martin Kramer, Rhetorikunterricht und dramatische Struktur. Am Beispiel der consultationes. In: Schöne (Hrsg.), 1976, S 261 bis 274)."

Steffen Ohlendorf: Rhetorische und stilistische Praxis der deutschsprachigen Länder in der Zeit des Barock, in: Ulla Fix, Andreas Gardt, Joachim Knape: Rhetorik und Stilistik/Rhetorics and Stylistics,  ein internationales Handbuch historischer und systematischer Forschung, Halbband 1, Walter de Gruyter, Berlin, 2008, S 413ff, ISBN 978-3-11-0913710-1

Thomas Lansius, Rhetorische und stilistische Praxis der deutschsprachigen Länder in der Zeit des Barock, S 413ff

Ulla Fix bei Wikipedia

Wilfried Barner bei Wikipedia

Klaus Garber bei Wikipedia

Collegium Illuste bei Wikipedia