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Ein Gedicht für Jan Gruterus

Portrait: Janus Gruterus,
von einem unbekannter Künstler
Thomas Lansius war mit dem niederländischen Schriftsteller und Universalgelehrten Jan Gruterus befreundet.

Dieser hatte bei einem Aufenthalt in Tübingen zwischen November 1621 und Juni 1624 bei Thomas Lansius gewohnt.

Am 24. Oktober 1621 verstarb Susanna Lansius, die Ehefrau von Thomas Lansius. Eines der Epigramme in der Trauerschrift stammt von Jan Gruter:

Astreae Peithusque prior carbuncule, Lansi,
Nec minus Eusebies unio rare Deae:
Dum lacrimis veris, dum singiltantibus odis
Prosequeris raptus Conjugis ante diem;
Non modo lugenti manifeste indulget Apollo,
Musarumque tegit turma novena latus:
Vinnula sed Pallas gemitus quoque mille profundit,
Suadaque funereis comodat ora modis:
Sed Charitum triplex longum flet gratia: siccas
Nec potis est Meja
 gnatus babere genas:
Quin et dia Venus laceris tibi crinibus adstat,
Praeque dolore nequit torpida Juno loqui:
At Dea seclorum, memori quae nomina famae
Consecrat, aeternos digna videre dies,
Cuncta elementa tui questus incidit in auro,
Mnemosynes vivant semper ut aede sacra;
Heic ubi non simplex gemmanteis explicat alas
Gloria, Posteritas heic ubi tot a viget.
Ocygnea mele! o verba exquisita! quibusque
Serenum cedat gloria prisca trium!
Monstra ea viventem cantando quemqua necabant:
At, Lansi, extinctam vox tua ad astra vocat:
Quamque ideo princeps multo cum fratre Cupido
Numine per terram differet atque mare;
Omnibus ut populis exemplum nobile praestet
Conjugii, cui par nil fuit, aut nec erit.

Janus Gruterus


Lansius verfasste ein Gedicht auf Grutius, das Aufnahme in den von Balthasar Venator 1630 verfassten Nachruf (Panegyricus) fand:

Muta Palatini quod Bibliotheca recessie,
    Illa ferè innumeris clara Voluminibus,
Illa´q Niliacae poterat qua vincere palmai,
    Ft Vaticanae obsistere luminibus;
Quodá Heidelberga Romam capt
iva migravit;
    Iactura haec equidem vix reparabilu est.
Mutam at vocalis quòd Bibliotheca secuta est,
    Illa tot aureolu foeta Voluminibus.
Qua poterat Roma praecepta con condere Athenis,
    Flexanimog artes quas libet ore loqui;
Nempe quod è terris magnus GRUTERUS abivit;
    Iactura omninò haec irreparabilis est.

Thomas Lansius

Jan Gruter bei Wikipedia

Balthasar Venator bei Wikipedia


Thomas Lansius, ein beliebter Leichenprediger

Thomas Lansius, Professor für Geschichte, Politik und Beredsamkeit, war bekannt und beliebt wegen seiner Leichenpredigten. Einige seiner Leichenpredigten für namhafte Persönlichkeiten der damaligen Zeit wurden auch als Trauerschriften gedruckt und in Umlauf gebracht.

Zweifellos die bedeutendsten Leichenpredigten hielt Thomas Lansius beim Tod von Friedrich I. Graf von Mömpelgard und Herzog von Württemberg 1608 (gedruckt 1608 und 1616 in Tübingen) und von dessen Ehefrau Sibylle Herzogin von Württemberg, Fürstin von Anhalt, 1614 (gedruckt 1615 und 1616 in Tübingen).

Friedrich I. (Württemberg) bei Wikipedia

Sibylla von Anhalt, Äbtissin von Gernrode und Frose, Gräfin von Mömpelgard und Herzogin von Württemberg bei Wikipedia

Einige Prinzen des Hochadels verstarben während ihres Aufenthalts im Collegium Illustre. Auch für sie wurden entsprechende Begräbnisfeierlichkeiten ausgerichtet und Leichenreden gehalten. Thomas Lansius verfasste und hielt die Leichenpredigten für

Johann Georg, Herzog von Schleswig-Holstein-Sonderburg, Prinz von Norwegen (gedruckt 1613 und 1616 in Tübingen)

Familie von Johann (Schleswig-Holstein-Sonderburg) bei Wikipedia

Rudolf, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Bischof von Halberstadt, 1616 (gedruckt in Tübingen 1616 und in Wolfenbüttel 1617)

Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel bei Wikipedia

Anton Heinrich, Graf von Oldenburg und Delmenhorst, 1622 (gedruckt in Tübingen 1623).

Familie von Anton II. (Oldenburg-Delmenhorst) bei Wikipedia

Anlässlich der Leichenrede wurde Thomas Lansius mit Zutun von Herzog August so reich beschenkt, dass es ihm die Röte vor Scham ins Gesicht trieb.

Als Dank schenkte Thomas Lansius Herzog August ein seltenes Buch. Dieses Buch, es handelt sich um die erste Platonübersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische, stammte aus der Bibliothek des Corvinus und gehört heute zum Unesco-Welterbe.

Thomas Lansius veröffentlichte auch eine Leichenrede für zwei seiner Lehrer 
und für seine 1621 verstorbene Ehefrau:

Susanna Lansius, 1621 (Thomae Lansii Lacrymae, gedruckt in Tübingen 1622)


Matthias Hafenreffer, lutherischer Theologe, Professor für Theologie und sechsmaliger Rektor sowie Kanzler der Universität Tübingen, 1619 (gedruckt in Tübingen 1619 und 1620 und in Frankfurt am Main 1674)

Matthias Hafenreffer bei Wikipedia
Johannes Christoph Harpprecht, Rechtswissenschafter und Professor an der Universität Tübingen, 1639 (gedruckt in Tübingen 1640 und in Frankfurt am Main 1676)

Johannes Christoph Harpprecht bei Wikipedia






Thomas Lansius und seine Verwandten aus der Familie Schnepf

Thomas Lansius ist allein nach Tübingen gekommen. Er hat dort zweimal geheiratet und ist damit Teil von zwei einflussreichen Familien geworden.

Thomas Lansius hat am Tag seiner Promotion, am 3. September oder 3. Dezember 1604 Susanna, die um sieben Jahre ältere Susanne Schnepf (* 17. September 1570; + 24. Oktober 1621) geheiratet.

Susanne war die Tochter des damals bereits verstorbenen Dietrich Schnepf (* 1. November 1525; + 9. November 1586). Dieser war Theologieprofessor,  Superintendent und Stadtpfarrer an der Stiftskirche in Tübingen sowie sechsmal Rektor der Universität Tübingen.

Susanne war das zweitjüngste von vierzehn Kindern aus der ersten Ehe von Dietrich Schnepf mit Barbara Brenz (* 31. Jänner 1532 oder 2. März 1525; + 20. Mai 1572). Barbara Brenz war die Tochter des württembergischen Reformators Johannes Brenz (* 24. Juni 1499; + 11. September 1570).

Anlässlich ihres Todes erschien nachstehende Leichenschrift:

"Lacrimae in obitum Susannae Snepfiae", 1622

Eine der Schwestern von Susanne, Christina Schnepf (*1580; + 1625) heiratete Abraham Hölzel von Sternstein (* zwischen 1577 und 1580; + 20. Mai 1651), einen österreichischen Adeligen, den Thomas Lansius 1602 bis 1604 auf dessen Kavalierstour durch Europa begleitet hatte.

Dietrich Schnepf bei Wikipedia

Johannes Brenz bei Wikipedia

Abraham Hölzel bei Wikipedia